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Bildungsreise nach Baotou in Nord-China

Diesen Bericht habe ich 2015 für eine kleine Stuttgarter Zeitschrift recherchiert und geschrieben. Veröffentlicht wurde er in einer etwas abgefederten Version. Ich möchte ihn euch nicht vorenthalten und jeder kann sich so seine eigenen Gedanken zu diesem Thema machen.

Im September 2015 machte ich mich für ein paar Tage auf den Weg nach Nord-China. In die Stadt Baotou. Allerdings nicht um dort einige entspannende Tage zu verbringen, vielmehr handelte es sich um eine Bildungsreise. Ich hatte mich entschlossen, den „Wahnsinn“ von dem mir andere Leute erzählt hatten, mit eigenen Augen sehen zu wollen. Baotou liegt in der Inneren Mongolei. Die Innere Mongolei ist die drittgrößte Provinz Chinas und ist reich an Bodenschätzen wie Kohle- und Gasreserven. Die Berge und Böden der Inneren Mongolei, speziell im Umfeld von Baotou enthalten auch Metallvorkommen, die sogenannten Seltenen Erden. Seltene Erden sind Metalle wie Lithium, Palladium, Neodym und viele mehr.
Hier ein paare Anwendungsbeispiele:
Lithium wird zur Herstellung von Akkumulatoren von Solarzellen benötigt. Palladium für Katalysatoren, Neodym für Starkmagneten der Windräder und Elektromotoren.





Das Problem dieser wunderbaren Rohstoffe ist die Gewinnung. Es ist wahnsinnig aufwendig und es zieht ein unvorstellbares Ausmaß an Umweltverschmutzung nach sich. Als ich in Baotou angekommen war, musste ich nur zwanzig Minuten fahren um das Ausmaß des Desasters zu sehen. Am Horizont meinte ich eine große Stadt zur erkennen, allerdings bei genaueren Hinsehen habe ich festgestellt, es handelt sich um unzählige Fabriken und Kohlekraftwerke soweit das Auge reicht. Aus unzähligen Schlöten qualmt schwarzer Rauch und ein extremer Schwefelgeruch liegt in der Luft. Zwischen mir und den Fabriken liegt ein riesengroßer „See“, gefüllt mit einer giftigen schwarzen Pampe. Unzählige Rohre pumpen rund um die Uhr tausende von Litern eines hochgiftigen Schlamms in den „See“. Dabei handelt es sich um das Abfallprodukt, welches bei der Herstellung von Seltenen Erden entsteht. Seltene Erden entstehen in der Natur unvorteilhafter Weise nie allein, sondern immer in Verbindung mit den radioaktiven Elementen Uran und Thorium. Diese müssen in einem aufwendigen Verbrennungsprozess von den reinen Metallen getrennt werden. Bei der Extraktion werden große Mengen an Schwefelsäure benutzt. Die Schwefelsäure sowie der unerwünschte hochgiftige Rest landen im Anschluss des Verfahrens, im besagten „See“.





Der „See“ hat Ausmaße von 10 km² angenommen und enthält unfassbare 180 Millionen Tonnen des hochgiftigen Schlamms. Man kann sich annährend vorstellen, was diese Verbrechen an der Umwelt für die Einwohner der Inneren Mongolei bedeutet. Die Einwohnerzahl ist um 80% gesunken. Es wurden Millionen von Menschen zwangsumgesiedelt. Jeder von ihnen hat unwürdige 4.000 RMB (ca. 500€) von der Regierung bekommen, um sich irgendwo eine neue Existenz aufzubauen. Die Krebsrate hat sich bei den Verbliebenen verzwanzigfacht. Unzählige behinderte Kinder werden in dieser Provinz geboren. Vom Einfluss auf das Klima vor Ort und auch weltweit erst gar nicht zu sprechen. Zudem wird für den angesprochenen Trennprozess der Seltenen Erden unvorstellbar viel Wasser benötigt. Wasser, welches in Nord-China und besonders in der Inneren Mongolei sehr knapp vorhanden ist. Die letzten verbliebenen Einwohner haben somit nicht mehr genug Wasser zur Verfügung um ihre Felder zu bewirtschaften, welche aufgrund der Radioaktivität sowieso schon verseucht sind. Dürren breiten sich aus bis weit über die Grenzen der Inneren Mongolei hinaus. Dammbrüche und unzureichende Schutzmaßnahmen sorgen dafür, dass das Grundwasser und die Flüsse verseucht werden. Fischsterben immensen Ausmaßes, bis in den Pazifischen Ozean hinein. Weidetiere nehmen verseuchte Nahrung auf, ihre Milch und das Fleisch verteilen sich über ganz China und sorgen für regelmäßige Lebensmitteskandale. Man hat es geschafft, eine von herrlicher Natur strotzende Provinz, mit einer Fläche zweieinhalbmal so groß wie Deutschland, innerhalb von 25 Jahren nahezu komplett auszuradieren und für immer unbewohnbar zu machen. Hinzu sind die Folgen und Risiken für ganz China weder abschätzbar noch kontrollierbar.





Bis 1985 wurden Seltene Erden in den USA gewonnen. Aufgrund geringerer Arbeitskosten und kaum vorhandenen Umweltauflagen wurde die Produktion schrittweise nach China verlagert. Die benötigte Technik gab es für China umsonst dazu. Dafür musste sich China verpflichten Seltenen Erden in alle Welt auch in die EU zu exportieren. Als sich China 2012 weigerte weiterhin solche enormen Mengen aufgrund der Umweltbelastung zu liefern, haben die USA, Japan und die EU gemeinschaftlich eine Klage gegen China bei der WTO (World Trade Organization) wegen Vertragsbruches eingereicht. Der Klage wurde stattgegeben. China musste weiterliefern und produziert bis heute 97% des weltweiten Bedarfs an Seltenen Erden. Im Größen- und Wachstumswahn hat China die besagten Verträge unterzeichnet und dies seitdem mit Sicherheit mehrfach bereut. Es wäre also falsch zu sagen „die Chinesen sind daran schuld“. Alle, insbesondere die westliche Welt hat ihren Teil dazu beigetragen.





Es ist traurige Ironie, dass unsere „saubere Energie“ auf diese katastrophale Weise produziert wird, mit desaströsen Folgen für Millionen von Menschen fern der Heimat. Wenn wir in Deutschland positive Berichte über „saubere Energie“ zur Photovoltaik-Technik wie Wind- und Sonnenenergie vorgesetzt bekommen, kann sich jeder selbst überlegen inwiefern er diesen Glauben schenken möchte. Aber eines ist ziemlich sicher, jeder der hier in Baotou gestanden hat und diese „Hölle auf Erden“ selbst gesehen hat, wird seine Meinung dazu überdenken. Richtiges Kopfzerbrechen bekommt man bei der Überlegung, dass solche unfassbaren Vorgänge jahrelang in westlichen Ländern über Steuergelder subventioniert werden. Und somit auch bei uns in Deutschland dafür gesorgt wird, dass so ein Irrsinn immer weitergeht.





Hier ein einfaches Beispiel anhand eines Windrades:
Die Seltenen Erden müssen aus dem Berg bzw. Boden geholt werden. Hierzu benötigt man speziell gebaute riesige Maschinen und Anlagen. Im Anschluss folgt das Trennverfahren. Hierzu benötigt man ganze Fabriken, inklusiver riesiger Anlagen. Dann wird die Seltene Erde verpackt und nach Süd-China gebracht. Dort wird der Starkmagnet aufwendig produziert. Danach geht der Starkmagnet auf die Reise nach Europa bzw. USA. Dann muss das Windrad mit großem Aufwand her- und aufgestellt werden. All diese Vorgänge benötigen zusammengerechnet mehr als doppelt so viel Energie, als wie Windräder während ihrer Lebenserwartung ausbringen können.

Seltene Erden benötigt man übrigens auch zur Herstellung von Smartphone's, Flachbildschirmen, Computern, Leuchtmittel, Mikrofone, Hybrid-Autos, usw...

Da steht er nun, der „Wahnsinn“ in der Inneren Mongolei. Es steht unteranderem da, weil das Verlangen der weltweiten Gesellschafft nach High-Tech Produkten unermesslich ist. Er steht aber auch da, weil einige Wenige im Vergleich zu den Geschädigten riesige Profite erzielen.

Um Missverständnissen vorzubeugen, mit diesem kritischen Bericht soll nicht Werbung für Greenpeace oder Kernkraft gemacht werden. Er soll lediglich aufzeigen, dass die Medaille zwei Seiten hat und vieles doch anders ist als es auf den ersten Blick scheint. Dieses Thema wird früher oder später jeden von uns betreffen und nicht nur die Menschen in der Inneren Mongolei.
Hier ein für sich selbst sprechendes Satellitenbild von Baotou.

1.3.16 06:20


Einige generelle Unterschiede - Leben in China im Vergleich zu Deutschland

Das wichtigste für einen Chinesen ist das tägliche Schlemmen der Mahlzeiten. Es wird geschlürft und geschmatzt wo immer man etwas zum Essen bekommen kann. Anfangs ist man noch geschockt aber mit der Zeit gewöhnt man sich an daran und passt sich gelegentlich auch an, ohne es zu merken. :-) In China ist es im Gegensatz zum deutschen Brauch immer so, dass einer für alle bezahlt. Ist die Gesellschaft noch so groß und die Rechnung auch noch so hoch, es zahlt nur einer.



Autofahren ist auch etwas komplizierter als in gesitteten europäischen Staaten. Zebrastreifen, blinkende Ampeln oder Fahrradwege bedeuten erst mal gar nichts. Wenn sich ein Fußgänger oder Zweiradfahrer auf diese Einrichtungen verlässt, ist die Wahrscheinlichkeit zu überleben mehr als gering. So vergeht kein Tag in China an dem ich nicht mindestens einen Verkehrsunfall beobachte. Meist mit glimpflichem Ausgang, da die allgemeine Durchschnittgeschwindigkeit um einiges niedriger ist als in Deutschland.



Zudem sind die Chinesen neben den Indern die „Meister der Logistik“. Manch einer von euch hat ähnliche Bilder bestimmt schon mal im Fernseher gesehen. In Wirklichkeit sieht es oft noch viel spektakulärer aus. Sie können tatsächlich mehr Ware auf einer Ladefläche transportieren, als theoretisch Platz vorhanden ist.



Diskussionsrunden! Alles und sei es auch noch so ein unwichtiges Detail, muss in einer mindestens mittelgroßen Runde (3-8 Personen) ausdiskutiert werden. Dies zehrt unsereins doch manchmal an den Nerven, da wir von Geburt an mehr zur Ungeduld neigen. Aber auch daran gewöhnt man sich, denn man weiß genau ewig halten es auch die Chinesen nicht durch.



Kinder in China – In Regel bleiben Mütter nur drei Monate nach Geburt ihres Kindes Zuhause. Nach diesen drei Monaten, wird wieder Vollzeit gearbeitet. Die Kinder sind während der Woche fast in allen Familien bei den Großeltern untergebracht. Diese übernehmen somit nahezu die komplette Erziehung. Dieses System wird von Generation zu Generation weitergegeben. Die Leute sind glücklich damit, da Geld zu verdienen absolute Priorität genießt. Da in China, lange Zeit laut Gesetz nur ein Kind pro Familie erlaubt war, hält sich der Aufwand für die Großeltern in Grenzen. Nach 30 Jahren Ein-Kind-Politik wurde 2015 das Gesetz auf zwei Kinder pro Familie gelockert. Das Mädchen auf dem Bild ist natürlich nicht meins, keine Sorge. :-)



Ich hoffe ich konnte anhand der wenigen Beispiele einen kleinen Eindruck vermitteln, wie groß der Unterschied in vielen alltäglichen Dingen doch ist.
17.3.16 04:01


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