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Reise nach Nordkorea (03.10.2016 - 08.10.2016), Teil 2

Kim Il-sung rief 1948 die „Demokratische Volksrepublik Korea" aus. Diese Bezeichnung ist an sich schon ein schlechter Witz. Nordkorea wird diktatorisch regiert und gilt als das weltweit restriktivste politische System der Gegenwart. Kim Il-sung installierte in Nordkorea eine kommunistische Regierungsform. Diese kombinierte er mit seiner Idee, der Juche-Ideologie. Kim Il-sung verstarb 1994 und wird seitdem als "Ewiger Präsident" des Landes verehrt. Er genießt den Status eines Gottes in Nordkorea. An nahezu jeder Ecke sind überdimensional große Porträts von ihm errichtet.



Sein Sohn, General Kim Jong-il, führte seine Politik weiter, bis er 2011 starb. Er entwickelte Nordkorea während seiner Amtszeit zu einem Militärstaat. In jeder Stadt des Landes, befinden sich riesige Statuen der beiden großen Führer. Jeder muss sich davor verbeugen. Auch ich erduldete dies gefühlte hundertmal während meines Aufenthaltes.



Inzwischen führt Marschall Kim Jong-un, wiederum der Sohn von Kim Jong-il, Nordkorea im gleichartigen diktatorischen Stil weiter. Auch von ihm findet man Bilder in jedem Haus. Die Familie regiert somit bereits in dritter Generation. Es wird demzufolge von der ersten „kommunistischen Dynastie“ gesprochen.



Wohnung. Bildung und Medizin sind unentgeltlich für das nordkoreanische Volk verfügbar. Eine Wohnung wird jeder Familie vom Staat zugeteilt. Solange man nicht verheiratet ist, wohnt man bei den Eltern. Selbständiges umziehen ist grundsätzlich unmöglich. Die berufliche Tätigkeit wird jedem Bürger bezüglich der schulischen Leistung von der Obrigkeit zugeteilt. Eine eigene Berufswahl ist ebenfalls nicht möglich. Auch der zuständige Arzt wird jedem Bürger vorgeschrieben. Termine für Untersuchungen sind festgelegt. Wenn jemand krank ist, muss der behandelnde Arzt einen Krankenbericht an die Regierung schreiben. Der Juche-Turm in Pjöngjang, ein Symbol zur geltenden Regierungsform.



Alle hergestellten Waren in ganz Nordkorea werden, exakt nach Vorgabe der Führung, an das Volk verteilt. So erhält jeder Einwohner monatlich Einkaufsmarken für z.B. Reis, Bier und Kleidung. Alles was man zum „reinen Überleben" braucht und nicht mehr. Dinge wie Autos werden ausschließlich von der Regierung verteilt, es könnte sich ohnehin niemand leisten. Deshalb gibt es auch nahezu nur leere Straßen in Nordkorea. Geld, den nordkoreanischen Won, gibt es auch. Ich konnte mir einen Geldschein ergattern, obwohl dies für Ausländer verboten ist. Wir müssen alles mit Euro oder USD bezahlen, denn das korrupte Regime benötigt dringend westliche Devisen.



Geld ist nur zu ca. 5% an geschäftlichen Handlungen im Land beteiligt. Die vom Staat zugewiesene normale Arbeit, wird ausschließlich mit Einkaufsmarken entlohnt und die sind für alle gleichgeschaltet. Nur für viel Mehrarbeit beziehungsweise besonders gute Leistungen gibt es minimale Geldbeträge obendrauf. Geld dient ausschließlich dazu sich etwas „Wohlstand" zu leisten, wie zum Beispiel ein Fahrrad. Man sieht unfassbar viele Fahrradfahrer in Nordkorea. :-)



Das System führt dazu, dass Bauern bei der Ernte vom Militär überwacht werden. Feldarbeit wird hier noch auf einfachste Weise per Hand erledigt. Traktoren oder sonstige Technik gibt es nicht in Nordkorea.





Die komplette Bevölkerung überwacht sich in Verbindung mit dem Militär immerzu und überall selbst. So besteht für niemanden auch nur die kleinste Chance irgendwas abzuzwacken. Drakonische Strafen, wie öffentliche Hinrichtungen, schüchtern die Bevölkerung verständlicherweise stark ein. Die Menschen in Nordkorea wirkten auf mich wie programmierte Roboter. Im Auftrag des Regimes wird ihnen immer wieder eingeimpft, alle anderen sind böse. Ausschließlich Nordkorea ist weltweit die führende Nation und das Paradies auf Erden. Inzwischen wurde der Großteil der Bevölkerung in dieses verbrecherische System hineingeboren und hat somit keine Möglichkeit, die „Wirklichkeit" zu erfahren. Obwohl die Menschen sehr freundlich sind, hat man immerzu den Eindruck es liegt ein trauriger Schleier über dem Land. Selbst beim Tanzen oder Fotografieren, sind die Gesichtszüge oft sehr ernst.





Egal wohin man blickt, sehr wenig lächelnde Menschen und verhältnismäßig viele hängende Köpfe.



Vor jedem Gebäude, stellen sich auch Zivilpersonen in Reih und Glied auf, um dann geordnet einzumarschieren. Größere ungeordnete Menschenansammlungen sind strengstens verboten. Hier zu sehen eine Gruppe vor einem Museumsbesuch.



Aber es gibt auch Positives zu berichten. Die nordkoreanische Küche kann man sehr empfehlen. Auch wenn wir vermutlich meist die Touristenversion bekommen haben. Bier gilt in Nordkorea als Grundnahrungsmittel und schmeckt wirklich ausgezeichnet. ;-)





Nach langen Diskussionen, mit unseren Reisbegleitern, wurde es uns erlaubt eine Fußballschule in Pjöngjang zu besuchen. Hier werden die besten Jugendspieler von Nordkorea zusammengezogen. Der Standard entspricht absolut westlichem Niveau.





Hier sind 120 Jungen und 85 Mädchen untergebracht. Sie schlafen über die Woche in der Schule...



...vormittags werden sie in normalen Schulfächern unterrichtet. Nachmittags ist dann Fußball angesagt. Wie überall hängen auch hier, in jedem Raum, die Bilder der politischen Führer.



Die Fußballschule ist direkt neben dem Stadion "Erster Mai" angesiedelt. Es ist eines der größten Stadien der Welt und hat ein Fassungsvermögen von 114.000 Zuschauern. Hier spielt auch die Fußball-Nationalmannschaft von Nordkorea ihre Heimspiele.



Nordkorea hat eine wunderschöne Natur zu bieten. Leider hatte ich nicht die Zeit diese intensiver zu erkunden. Allerdings würden Wanderungen mit ständiger Begleitung von zwei Reiseführern auch keinen so richtigen Spaß machen.



Dies waren die wichtigsten Erkenntnisse und Erlebnisse zu meinem Abstecher nach Nordkorea. Ich vermute, es war eine "Einmal im Leben" Reise. Gewiss bekommt ein Tourist dort größtenteils nur zu sehen was die Obrigkeit möchte, aber ein ganzes Land kann halt doch nicht versteckt werden. So weiß man nachher doch etwas mehr. Hin und wieder sind mir vom fahrenden Bus aus, solche Aufnahmen gelungen...



...besonders solche Bilder von Soldaten sind (eigentlich) strengstens untersagt.



Morgen geht`s für fünf Tage nach Guangzhou in Südchina. Auch von dort wird es natürlich ein paar Zeilen und Bilder geben.
14.10.16 05:04
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


padernosder (14.10.16 10:12)
Hallo Mirco,

"Zucht und Ordnung", so soll es sein! Einen ähnlichen "Geist" wollte mir mein Vater auch vermitteln. Das geht natürlich nur mit der Androhung von Gewalt. Kein Wunder, wenn das Volk nicht mehr lächelt... keine Autos und kein Geld, man kann es kaum glauben. Dafür arbeitet ein "normaler" Mensch doch sein ganzes Leben! ;-)


Dorehn (14.10.16 10:22)
...diese "kommunistisch" regierten Länder sind/waren sich sehr ähnlich als Diktatur mit ihrem Überwachungsapparat, der Rationszuteilung, ihren "Ikonen-Portraits" und den "grauen" Menschen (Schlagworte, die ganz genauso zutrafen für den europäischen Ostblock der 80iger) - besonders verschärft aber wohl in Nordkorea heute noch. Dazu kommt die allgemein asiatische (unterordnente) Höflichkeit, die selbst bei den Südkoreanern, Chinesen, also aus den sich mittlerweile westlich orientierten Ländern, deutlich spürbar ist - so dass diese Mentalität vom nordkoreanischen Regime einfach "genutzt" werden kann...

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