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Ein Leben mit dem Smog

Häufig sehen unbearbeitete Fotos aus China so aus.



Irgendwie hat man fast immer ein Luftflimmern oder gar eine Nebelwolke im Bild. Ich bin wirklich froh in Ningbo zu leben und nicht in Beijing oder Wuhan. In Küstenstädten ist die Situation aufgrund der Luftzirkulation zumeist besser als in den Industriestädten im Landesinneren. Ningbo liegt beim Abgleich der Werte in der Regel zwischen 100 - 180 Mikrogramm der sogenannten PM2,5 - Partikel pro Kubikmeter Luft. Damit ergeht es uns in Ningbo etwas besser als den Menschen in Beijing. Allerdings liegt der von der WHO vorgegebene Grenzwert bei 25. Alles darüber beinhaltet ein Risiko für gesundheitliche Schäden. Somit lebt man in Deutschland diesbezüglich sehr gesund. Der Wert steigt so gut wie nie über 25. Siehe hier einen Vergleich zwischen Ningbo, Beijing und München, gemessen am Freitag letzter Woche.



In Beijing wurden dieses Jahr bereits Werte über 600 gemessen. Dies ist dann akut gesundheitsgefährdend und die Bevölkerung wird angehalten das Haus nicht zu verlassen. Als Sofortmaßnahmen werden Produktionsverbote für Firmen ausgesprochen oder auch Fahrverbote für bestimmte Fahrzeugkennzeichen. Der Trend ist überall in China die letzten Jahre negativ und dies wird sich laut chinesischer Regierung die nächsten Jahre auch nicht ändern. 5 Jahre schätzen sie wird es dauern bis die Maßnahmen greifen und Besserung eintreten soll. Großstädte wie Beijing, Shanghai und Hangzhou haben bereits die Zulassungen von Fahrzeugen stark limitiert. In über 30 mittelgroßen Städten wie z.B. Ningbo soll es angeblich ab 2017 soweit sein. Leider spricht auch in China die Autoindustrie, genau wie in Deutschland beim Tempolimit, ein Wörtchen mit. "Rush Hour" in Ningbo, es sind einfach zu viele Autos. Vor mir ein Wagen ohne Nummernschild. Dies bedeutet frisch zugelassen. Einen Tag darf man mit einem Neuwagen in China ohne Nummer fahren. Momentan werden alleine im Großraum von Ningbo jeden Tag unvorstellbare 1150 Fahrzeuge neu zugelassen.



Der Strom wird bislang zu 80% aus Kohlekraftwerken erzeugt, was eine enorme Luftverschmutzung nach sich zieht. Der Ausbau von Kernkraftwerken wird deshalb stark vorangetrieben, was bekanntermaßen andere Risiken mit sich bringt, hier aber erst mal Abhilfe schafft. China setzt im Gegensatz zu Deutschland zukünftig auf Atomkraft.



Mülltrennung oder Wiederverwertung sind in China nahezu Fremdwörter. In der Folge werden Unmengen an Müllverbrennungsanlagen benötigt. In Ningbo stehen überall Mülltrennungsanlagen wie im Bild zu sehen , aber nur die Allerwenigsten denken darüber nach was sie in welche Öffnung einwerfen. Ein Bewusstsein für die Umwelt, ist dem Großteil der chinesischen Bevölkerung aufgrund ihrer Kultur nur schwer vermittelbar. Um diese Tatsache annähernd zu verstehen habe ich Jahre gebraucht.



Allzu böse sollten wir den Chinesen nicht sein, streben nach Wachstum und Produktivität haben wir ihnen beigebracht. Sie versuchen sich und ihr Land nach vorne zu bringen, wie wir Europäer es während der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert getan haben. Das große Problem dabei ist, China tut dies mit wesentlich mehr Menschen. Somit entstehen um ein vielfaches höhere Umweltbelastungen und dadurch irreparable Schäden. Bis noch vor einem halben Jahr konnte ich mir nicht vorstellen eine Atemmaske zu tragen.



Ich habe diesbezüglich meine Meinung an Tagen wie hier im Bild geändert. Es zeigt Ningbo früh um 9 Uhr.



Natürlich spreche ich über dieses Thema auch mit anderen Ausländern und es scheint als wäre Smog für viele der Auslöser das Land schneller zu verlassen als geplant. Strittig ist die Frage, wie schwer die gesundheitlichen Folgen wirklich sind. Ärzte geben als Richtwert an, dass der Körper doppelt so lange benötigt um sich vollständig zu regenerieren als die Aufenthaltszeit in China war. Das muss ich mal in Ruhe durchrechnen und mir meine Gedanken machen...

9.5.16 12:25
 


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